Musik und Tanz
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Bild Dudelsackspieler
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Zur Entwicklungsgeschichte der Sackpfeifen ist viel geschrieben worden. Thorstens Sackpfeifen-Seiten berichten viele interessante Dinge über die kulturhistorische Entwicklung der Sackpfeifen und deren Verbreitung in Deutschland.

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Bild Narrenschiff

"Narrenschiff"
Sebastian Brant 1494

Die Bezeichnung als "Dudelsack" lässt sich nicht vor dem 17. Jahrhundert belegen. Er scheint dann zunächst vor allem den Polnischen Bock (Dudy) zu bezeichnen. Leider haben sich keine mittelalterlichen Instrumente erhalten. Erst im Hochmittelalter werden Abbildungen von Sackpfeifen häufiger, so dass wir uns ein Bild über die äußere Gestalt der Instrumente machen können, nicht aber über ihre Bauweise und die Musizierpraxis.

Einen sehr interessanten Überblick über die Geschichte der Dudelsäcke gab Ralf Gehler zum Tanz & FolkFest 2006 im Rahmen der Vortragsreihe „Magisches Instrument“ in Rudolstadt.

Mit freundlicher Genehmigung des Dudelsack- Papstes aus Mecklenburg hier die gekürzte Fassung:

Der Dudelsack - ein Lebenslauf durch windige Zeiten »

Da mich hauptsächlich die Regionalgeschichte interessiert (man kann ja nicht alles machen), versuche ich hier, etwas über Dudelsäcke in meiner Heimat zu berichten.

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Dudelsäcke in der Mark Brandenburg

Bild Otto IV

Markgraf Otto IV. von Brandenburg (1266-1309)
Große Heidelberger Liederhandschrift
(Codex Manesse)
Zürich 1305 bis 1340

Über die Verbreitung der Sackpfeifen in der Mark Brandenburg wird relativ wenig berichtet. Es ist aber anzunehmen, dass sie hier ähnlich wie in Mecklenburg (PIPEN) oder den angrenzenden slawischen Regionen Verwendung fanden.

In der Manessischen Liederhandschrift ist unser Markgraf Otto IV beim Schachspiele mit seiner Frau zu bewundern. Der Musikant rechts unten im Bild spielt auf einem recht martialisch anmutenden Dudelsack. Beim Schachspiele mag das vielleicht störend sein, aber dieser "Otto mit dem Pfeile" im Kopf (er wurde bei der Belagerung von Staßfurth an der Bode am Kopf von einem Pfeil getroffen und ließ diese Pfeilspitze - aus Misstrauen gegenüber den Ärzten - ein Jahr lang in der Wunde) hatte vielleicht ein eingeschränktes Hörvermögen oder wollte nur seine kluge schöne Frau vom Spiele ablenken.

Bild Dudelsack

Weniger bekannt ist, dass sich in der Sorbischen Kultur eine Dudelsackform erhalten hat. Die Volksmusik mit der traditionellen Spielweise auf den sorbischen Instrumenten Dudelsack (kozol) und kleine dreiseitige Geige (fidle) wird hier noch in ihrer ursprünglichen Form gepflegt. Der Dudelsack war früher in zwei Typen, dem großen (kózol) und dem kleinen (mechawa, dudki, kózlo) bekannt. Ihrer Konstruktion, Hauptbestandteile und Spielweise nach gleichen sich die beiden sorbischen Dudelsäcke durchaus.

Der Spieler betätigt einen unter dem rechten Ellbogen befestigten Blasebalg, um dem Windsack aus Ziegenfell oder Ziegenleder unter dem linken Arm Luft zuzuführen.

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Musik und Tanz als Sünde

Bild Teufel

Die Ursprünge des Tanzens sind vielschichtig und haben ihre Wurzeln in uralten Ritualen. Schon aus diesem Grunde war der Tanz der klerikalen Obrigkeit verdächtig. Das Begleitinstrument der Bauerntänze war der Dudelsack, das Tanzlied war die Stimme der öffentlichen Meinung. Im Tanzlied rügte und verspottete das einfache Volk auch die Geistlichkeit für Verfehlungen und Ungerechtigkeit. Und so galten Musik und Tanz seit dem Mittelalter als Verführung zu den Todsünden, mit Zorn geißelten die Prediger die "schandbaren" Lieder. Max von Boehn ("Der Tanz"; Berlin 1925) zitiert eine Predigt des Volkspredigers Johann Geiler von Kaisersberg:

Man treibt zu unseren Zeiten solche unziemliche Ueppigkeit unter dem Tanzen, das vor nie erfahren, noch erhört worden ist. Desgleichen bringt man soviel Tänze auf die Bahn, die vor nie in Brauch sein gewesen, daß sich nicht genug darob zu verwundern ist. Als da ist: der Schäfertanz, der Bauerntanz, der welsch Tanz, der Edelleutetanz, der Studententanz, Keßlertanz, Bettlertanz und in Summa, wenn ich sie alle wollte erzählen, hätt ich wohl eine ganze Woche genug zu schaffen. Darnach find man Klötz, die tanzen also säuisch und unflätig, dass sie die Weiber und Jungfrauen dermaßen herumschwenken und in die Höhe werfen, daß man ihnen hinten und vornen hinaufsieht bis in die Weich und haben es bisweilen die Jungfrauen fast gern, wenn man sie also schwenket, daß man ihnen ich weiß nicht wohin sieht ... Noch hätt’ ich schier den Tanz vergessen, nämlich den Reihentanz, da werden auch nit minder Unzucht und Schande begangen, als in den anderen, von wegen der schändlichen und schandbaren Hurenlieder, so darein gesungen werden, damit man das weiblich Geschlecht zur Geilheit anreizet.

Von der Verbindung des Dudelsackes, der "Sackpfeife" zum Teufel erzählt auch eine Geschichte, die Theodor Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" aus dem Ort Prädikow erzählt und die dem dortigen Adelsgeschlecht der Barfuse zugeschrieben wird:

Es war um 1610, also acht Jahre nach der Jagd im "Blumenthal", als Valentin Barfus auf Besuch nach Prädikow kam. Es verstand sich von selbst, daß er von seinen Brüdern der Reihe nach bewirtet wurde. Der älteste, Richard, der auf dem "roten Hause" in Nieder- Prädikow saß, hatte natürlich den Vorrang, und eine tüchtige Zechkumpanei wurde nach Sitte jener Zeit geladen. Man trank, man jubelte, man tobte, und, unglaublich zu sagen, man tanzte auch; denn woher nahm man die Damen? So kam Mitternacht heran. Um Mitternacht aber legten die Spielleute müd und matt ihre Fiedeln nieder und sagten: "Wir können nicht mehr!" Da sprang Nikolaus, der zweite der Brüder, mitten unter sie und schrie, während er mit der Faust drohte: "Weiter, weiter, und wenn der Teufel selber aufspielen sollte!" Da erschien der böse Feind auf dem Ofen, mit der Sackpfeife unterm Arm, grinste den Nikolaus an und spielte auf. Da fürchteten sie sich und ließen den Pfarrer holen, und als er kam, begannen sie zu beten und beteten, bis der Sackpfeifer wieder verschwunden war.

Aber der Teufel war doch im Hause gewesen, und Unfrieden ließ er zurück. Fehde brach aus zwischen den Brüdern. Die beiden älteren standen sich im Zweikampf gegenüber, und auf dem Grasplatz am Teich, hundert Schritt hinter dem roten Hause, fiel Richard, der älteste, von der Hand des zweiten Bruders, ebenjenes Nikolaus, der an dem geschilderten Zechabend den unheimlichen Sackpfeifer herbeigerufen hatte.

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Wendische Musik:
Mittelalter zwischen Elbe und Oder

Der württembergische Mönch Emmerich von Ellwangen berichtet im 9. Jahrhundert von fahrenden wendischen Musikanten und hebt dabei die slawische Tanzfreudigkeit hervor: "sclavus saltans".

Während der Schlacht am Tanger beim großen Aufstand im Jahre 983 schritten nach einem Bericht des Chronisten Thietmar von Merseburg Bläser dem wendischen Heer voran. Und noch aus der Zeit der Wendenkreuzzüge unter Bischof Otto von Bamberg wird berichtet, die Wenden würden auf Hörnern blasen.

Totenklagen und Schwerttänze, wie sie im elbslawischen Gebiet vorgetragen wurden, bezeugen eine Symbiose von Musik und Ritus sowie altüberlieferte Vorstellungen von magischen und heilenden Kräften der Musik. Noch heute heißt es in einem sorbischen Sprichwort: "Wenn die Musik erklingt, heilen tausend Schmerzen!".

Eine eigenständige wendische Musikkultur ist belegt durch archäologische Funde und historische Berichte. So wurden z.B. Knochenflöten, Maultrommeln und Fragmente eines Saiteninstrumentes, das `gusla` genannt wurde, bei Ausgrabungen gefunden.

Codex Manesse

Bild Codex Manesse

Die damals weit verbreiteten Instrumente finden sich in der berühmten Heidelberger Liederhandschrift "Codex Manesse", hier zum Beispiel in einem Bild über den Minnesänger Heinrich Frauenlob.


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Briesener Fresken

Bild Dudelsackspieler Bild nacktes Mädchen mit Laute

Die uns bekannten ältesten bildlichen Darstellungen sorbischer Musikanten entdeckte man bei Restaurierungsarbeiten (1954 - 1956) in der Kirche zu Briesen / Brjazyna bei Cottbus / Chósebuz.

Sie entstanden um 1486 und zeigen neben religiösen Darstellungen einen Dudelsackspieler und ein Laute spielendes nacktes Mädchen.

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Didgeridoos im Mittelaltersound?

Immer wieder werden wir gefragt, warum wir neben Dudelsäcken und Harfe nun auch noch ein Didgeridoo einsetzen. Klingt ja sehr schön im Zusammenspiel - aber gab es das nicht nur in Australien? Wohl kaum - aber wer weiß das schon? Warum sollten Didgeridoos nicht weltweit zur Anwendung gekommen sein? Der schlüssige Nachweis ist problematisch, da sich im Gegensatz zu den Knochenflöten die Holzinstrumente nicht erhalten konnten. Sehr ähnlich sind aber die slowakischen Hirtenflöten, die "Fujara" und die "Konzovka" sowie das aus dem Alpenraum bekannte Alphorn. Auf der kanarischen Insel La Gomera Didgeridoos aus Agaven- Stängeln gebaut.

Aus einem Reisebericht des Ibrâhîm ibn Ja'qûb, eines jüdischen Handelsreisenden aus Spanien im Jahre 973, erfahren wir etwas über die Lebensweise und die Musik der "Sclavi": "Sie haben verschiedene Arten von Saiten- und Blasinstrumenten; sie haben ein Blasinstrument, dessen Länge mehr als zwei Ellen beträgt und ein Saiteninstrument, das mit acht Saiten bespannt und dessen Innenseite flach und nicht gekrümmt ist.".

Die Elle ist ein altes Längenmaß, bei dem die Länge des Unterarmes vom Ellenbogenknochen bis zur Spitze des ausgestreckten Mittelfingers diente. Eine Elle wäre demnach etwa 60 cm lang! Das heißt, dass das von Ibrâhîm ibn Ja'qûb beschriebene zwei Ellen lange Blasinstrument etwa 1,20 Meter lang gewesen sein müsste. Obwohl nichts über die Art der Tonerzeugung berichtet wird, dürfte schon durch diese Länge eine schöne tiefe und vermutlich martialische Tonlage zu erzeugen gewesen sein. Da keine Mensur (Tonlöcher) beschrieben wird, ist das Tonerzeugungsprizip eines Aerophones wie des Didgeridoos denkbar.

Bild Didgeridoo

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Bild Dudelsackspieler

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