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anno 2001

Historisches Dorffest 2001 auf dem Marktplatz in Eggersdorf

PlakatAuch im Jahr 2001 war das historische Dorffest auf dem Marktplatz in Eggersdorf der Höhepunkt des Jahres.

Auch in der lokalen Presse fand das Dorffest Beachtung. Klicken Sie auf den Artikel rechts, dann bekommen Sie ihn etwas grösser und einigermassen lesbar zu sehen.

Frau Wolle und Herr Lüders im Gespräch


« Herr Lüders im Gespräch mit Frau Wolle, Bürgermeisterin von Petershagen-Eggersdorf und engagierte Unterstützerin des alljährlichen historischen Dorffestes.

Historisches Treffen befreundeter Bauerngruppen

Auf dem diesjährigen Fest gab es auch das erste "historische Treffen" der 3 befreundeten Bauernvölker aus Bretten, Wittenberg und Eggersdorf.


 Auszug aus "De' Dreschfleg'l", Ausgabe 2/2001

Schlachruf der Bauerngruppe Alt-Brettheim erklang lautstark im Reichtstagsgebäude

Historisches Treffen befreundeter Bauerngruppen

Tanz, Musik und Feuerzauber

Ein Traum wurde für die Bauerngruppe Alt-Brettheim am Vatertag, dem 24.05.01, im Rahmen ihres Jahresausfluges wahr. Zum ersten Mal konnten die nach dem Vorbild der Brettener Bauern in den neuen Bundesländern entstandenen Gruppen, das Bauernvolk aus der Lutherstadt Wittenberg, die sich daher scherzhaft die "Kinder" der Brettener Bauern nennen, das Bauernvolk aus Petershagen-Eggersdorf - die "Enkel" und die Brettener Bauerngruppe Alt-Brettheim gemeinsam ein historisches Spektakel gestalten. Anlaß war eine Einladung von Andreas Lüders, dem Vorstand des Bauernvolkes zu seinem "3. Historischen Dorffest Petershagen-Eggersdorf".

Auf dem Marktplatz von Eggersdorf, einem Vorort der deutschen Hauptstadt Berlin, inmitten der rustikalen bäuerlichen Aufbauten drängten sich bei hochsommerlichen Temperaturen Tausende von Besuchern. Sie bestaunten die dargebotenen Demonstrationen historischer Arbeitsabläufe, wie das Dreschen von Stroh mit hölzernen Dreschflegeln oder auch wie einst mühselig in Handarbeit Kraut in einen klobigen Zuber gehobelt wurde, sahen interessiert den Bäuerinnen beim Spinnen mit ihren auf und ab hüpfenden Spindeln zu und dem Bauern, der auf seinem Schemel mit flinken Händen ein Hämmerchen schwigend die Sense dengelte.

Die auf mittelalterlichen Musikinstrumenten wie Drehleiern, Schalmeien und Flöten gespielten alten Weisen begleiteten die Bauerntanzgruppen aus Wittenberg und Bretten, die schwungvoll ihre traditionellen Tänze vortrugen - ein Ohren- und Augenschmauß, der die Zuschauer in seinen Bann zog und zu lautstarken Begeisterungsstürmen veranlaßte.

Die Spezialiäten - sehr begehrt - die vor den Augen der Besucher in Kesseln und Pfannen über lodernden Feuern zubereitet wurden, der "Aderlaß" (eine feuerrote würzige Suppe), Wittenberger Linsensuppe, "gebruzzeltes Fleisch", gescherrte Spätzle, sowie auch Leberwurst- und Schmalzbrote, trugen mit ihren lockenden Düften dazu bei, dem Eggersdorfer Marktplatz eine urwüchsige Atmosphäre zu verleihen, die von den Besuchern und Bauern gleichermaßen genossen wurden.

Ein "Spiel mit dem Feuer", vorgetragen von den Gastgebern, in dieser warmen Mainacht, inmitten lodernder Lagerfeuer und Fackeln, welche die Gebäude des Marktplatzes stimmungsvoll im Wechsel von flackerndem Licht und huschenden Schatten mit einbezogen, bildete einen furiosen Abschluß dieses historischen Bauernfestes.

Der Kontakt zu einem Bundestagsabgeordneten aus dem Brettener Wahlkreis, bescherte am folgenden Tag, im Rahmen ihres Berlinbesuches, der Bauerngruppe die Ehre an einer speziell für die Bauern arrangierten Führung im neuumgestalteten Reichstagsgebäude teilzunehmen. In ihren Bauerngewändern wurden sie von livrierten Dienern des Bundestages empfangen, "entwaffnet" (die zur Tracht gehörenden Vespermesser mußten abgegeben werden) und in das Parlament geführt. In diesem Raum, bekannt durch Fernsehübertragungen, in dem Regierung und die Abgeordneten des Bundesrepublik an Arbeitstagen ihre Sitzungen abhalten, unter der gläsernen Kuppel, die ja auch unter Beteiligung einer Brettener Firma erbaut wurde, erklang lautstark der legendäre Schlachtruf der Bauerngruppe "Hoch lebe der Bauernstand", welcher der besonderen Akkustik im Parlament wegen von den Wänden widerhallte.

Am Abend dieses Tages hatte die Bauerngruppe Alt-Brettheim die Gelegenheit im Rahmen einer Einladung zu einem ausgiebigen Grillfest durch das Bauernvolk Petershagen-Eggersdorf die gewachsenen freundschaftlichen Beziehungen zu vertiefen, erweckte Neugier auf das Brettener Peter- und Paul-Fest, so dass diese Jahr auch die "Enkel" zu diesem Fest nach Bretten kommen werden.

Begegnungen!

Die Prise war kühl, roch leicht nach Schilf und Seetang, wehte uns vom nahen Badesee der Ortschaft Eggersdorf entgegen. Wir, eine Schar müder, hungriger und durstiger Bauern folgten dem schmalen gepflasterten Gehweg, der um eine Jugendherberge älteren Baustils herum zu einer ausladenden Veranda an der Seeseite führte. Der Berlinbesuch an diesem Sommertag, sehr beeindruckend für uns Kleinstädter, wirkte noch nach und hatte natürlich, anstrengend wie so etwas nunmal ist, bei uns auch seine Spuren hinterlassen. Doch beim Anblick der uns hier erwartete, war alle Müdigkeit verflogen.

Ein ungewöhnlich voll beladener großer Grill mit lockenden wohlriechenden Steaks und Würsten an dem zwei kräftige Eggersdorfer, bekleidet mit dicken Lederschürzen, bloßem Oberkröper, schwitzend, eifrig hantierten, ein nicht minder großes Bierfaß, das ein anderer bei unserer Ankunft gerade anzapfte, in dem er mittels eines Gummihammers den Zapfhahn einschlug, verhieß uns doch umgehend einen durchaus angenehmen Abend.

Flackernde Kerzen auf aneinandergereihten Tischen, welche bereits von einer großen Anzahl, sich labender, in Gespräche vertiefter Eggersdorfer und Brettener Bauern bevölkert waren und die rotglühenden Kohlen des Grills vermittelten uns durch ihre angenehme Wärme- und Lichtaustrahlung, welche sich reflektierend nun in der einbrechenden Dunkelheit an den Wänden der Jugendherberge abzeichneten, zusätzlich ein anheimelndes Gefühl. So ließen wir uns von dieser Stimmung angetan an den wenigen freien Plätzen der Tische nieder, wußten, unserer Erfahrung wegen, daß eine jener Nächte vor uns lag, die durch ihre einprägende Art, Faszination vermittelt und das von uns so geliebte und praktizierte "Bauernleben" sicher auch mit ausmacht.

Andreas, ein robuster Bauer, Leiter der kleinen Eggersdorfer Bauerngruppe, begrüßte uns, seine Gäste, lautstark mit brachialer Stimmgewalt, wie es nun einmal seine Art ist, versorgte uns sofort, sicher unseren nach Stillung sehnenden Durst erahnend, mit frischem Faßbier. Wir gaben diesem Bedürfnis nach, das weiche geschmackvolle leicht prickelnde Getränk floß mit großen Schlucken durch unsere Kehlen. Einige der Dorfmädchen schnitten mit scharfen Messern Brotscheiben, legten die würzigen Steaks darauf, reichten sie uns. Während wir diese genußvoll aßen und das Bier tranken, hatte die kleine Musikgruppe der Eggersdorfer, unterstützt von der Brettener Bäuerin Christine begonnen, mit musikalischer Vielfalt und sehr professionell verschiedene Weisen aus ihrem ausgeprägten Repertoir zu spielen. Sie legten dabei traditionell viel Wert darauf, alte und ausgefallene Musikinstrumente zu benutzen. So lauschten wir den weithin schallenden, wohl sicher recht laut und kraftvoll gespielten, doch durchaus einfühlsamen Klängen, einer Mundorgel, eines Dudelsacks, einer Schalmei sowie auch einer Geige. Gestärkt mit den Speisen und Getränken, mit jener Musik verwöhnt, die zudem zu gemeinsamen lautstarken Gesängen animierte, stellte sich mehr und mehr im Lauf dieses Abends bei uns eine angenehme innerer Zufriedenheit ein.

Der leichte Wind vom See her, war inzwischen merklich kühler geworden, so rückten alle etwas mehr zusammen auf wenige Bänke, wärmten sich gegenseitig. Irgendwer hatte zusätzlich noch warme dicke Umhänge geholt, in die wir uns einhüllten, der Brettener Bauer Holger den selbstgemachten Likör seiner Bäuerin Teresa, so wurde uns allen warm, der kühle Wind wurde von niemand mehr bemerkt. Die Eindrücke der letzten Tage wurden zunächst zum Thema der Gespräche. Angeregt von der Stimmung, vielleicht auch etwas der Getränke wegen, begannen die Bauern zu sinnieren, kamen ins Schwärmen.

Die Berlinfahrt hatte Eindruck gemacht, so ließ man diese nochmal Revue passieren. Schilderte den Besuch im Reichstag, von der dortigen "Entwaffnung" der Bauern, jener Besuch der schließlich mit dem Schlachtruf der Bauern gekrönt wurde; von den gemütlichen Kneipen "Unter den Linden"; von einem Harakiri gleichen, durch seine Frau angespornten Gang des Bauern Edwin zum Postbriefkasten über diese vielbefahrene Straße, einer Postkarte wegen; dem Besuch eines Bauern in Tracht im Nobelhotel Adlon; den imposanten Neubauten am "Potsdamer Platz"; der Besichtigungsfahrt, die zu den Sehenwürdigkeiten der Stadt führte.

Auf's angenehmste zufrieden gingen die Bauern schließlich im Gespräch dazu über, den Sinn dieser Reise, die Zusammenführung aller aus dem gleichen Ursprung entstandenen Gruppen; den Wittenberger Bauern, den Eggerdorfer und den Brettener; zu analysieren. Man kam dabei zu dem Erbegnis, daß das gemeinsame Fest, noch mehr als erwartet gelungen war. Es waren darüber hinaus Freundschaften vertieft und neue entstanden, was dieser Abend widerspiegelte. Natürlich wurden durchaus auch noch Gegensätze sichtbar. So waren einige Brettener Bauern doch sehr erstaunt, wie die spätzlesunerfahrenen Wittenberger und Eggersdorfer, mit genau dieser Speise umgegangen sind. Es löste viel Unverständnis die Tatsache aus, daß jene die kredenzten Wurstspätzle in ihre blutige Suppe "Aderlaß" versenkten. Die Eggersdorfer versicherten jedoch Besserung und erklärten glaubhaft, daß sie in dieser Beziehung durchaus noch lernfähig wären.

Eigentlich hätte man zu diesem Zeitpunkt den Abend allseitig zufrieden beenden können, wäre nicht noch etwas sehr ungewöhnliches passiert.

Es begann damit, daß ein Brettener anfing, vom Peter- und Paul-Fest in durchaus schwärmerischer Form zu erzählen; schilderte wie zahlreiche Gruppen dort, in allen nur möglichen Winkeln und Gassen, von glühenden Lagerfeuern beleuchtet, historisches Leben aus dem Ursprungsjahr des Festes 1504 stil- und zeitgerecht, mit großem Aufwand praktizierten. Seine Beschreibung rief zunächst Ungläubigkeit bei den Eggersdorfern hervor. Doch die anderen Brettener bestätigten dies, jedem fiel dazu noch irgendeine Begebenheit, eine Geschichte ein, über Schäfer, Landsknechte, Fanfaren, Seifensieder, Schedels schwarzer Haufen, Gaukler, Handwerker, der Musik, den Umzügen und noch vieles, vieles mehr.

Die Eggersdorfer folgten den Erzählungen mit erstaunten großen Augen, wurden neugieriger und neugieriger; bombardierten die Brettener regelrecht mit Fragen über Fragen.

Schließlich beschrieben die Brettener Bauern ihr eigenes Lager, sprachen von der festlich mit Blumengebinden und Lämpchen geschmückten Schänke, dem mit Heu beladenen hölzernen Wagen, den Hühnern, Hasen, Schweinen, Truthähnen, Geißen, dem Bauerntisch, den Aktivitäten wie Dreschen und Spinnen und vor allem von den Menschen, den Originalen innerhalb der Gruppe, vom Karl-Heinz bis zur Mitbegründerin Margret Stoll.

Jetzt gab es für die Eggersdorfer Bauern kein Halten mehr, ihre Neugier hatte obsiegt, vehemend bedrängten sie ihren Vorsitzenden mit der Bitte, dies alles endlich mit eigenen Augen zu sehen. So beschlossen sie schließlich, ihre hart erarbeiteten Einnahmen, die sie eigentlich für ganz andere Dinge geplant hatten, in eine Reise nach Bretten zum Peter- und Paul-Fest zu investieren!

Es war längst nach Mitternacht, als die Brettener Bauern an diesem Abend gemächlich, zwar etwas nachdenklich, den Weg zurück in ihre Herberge schlenderten, es überwiegte jedoch die Freude darüber, daß sie ihre Freunde, die Eggersdorfer Bauern, bald in Bretten wieder sehen werden.

Bretten, wenige Wochen danach:

An der Haltestelle der Stadtbahn Bretten-Mitte warteten am Freitag während des Peter- und Paul-Festes 2001 unzählige Brettener Bauern mit Leiterwägen auf die Straßenbahn aus Karlsruhe, um Gäste zu empfangen. Als die Bahn nach einigen Minuten Verspätung dort einfuhr und hielt, stiegen sie tatsächlich aus, inmitten einer großen Menschenmenge, ihre Freunde die Eggersdorfer Bauern. Mit großem Hallo wurde sie begrüßt, umarmt und feierlich, nachdem man deren Gepäck in den Leiterwagen verstaut hatte, ins Bauernlager geleitet.

Dort hatten die Brettener ihren Bauerntisch mit all den in Bretten bekannten herzhaften Köstlichkeiten und Getränken aus ihrer Schänke, für ihre Gäste beladen, die diese mit großem Appetit, dankbar annahmen.

Der Höhepunkt jedoch, war sicherlich für die Eggersdorfer Bauern, als schließlich Karl-Heinz Saitner in einer kurzen Rede die Mitbegründerin der Bauerngruppe Alt-Brettheim Frau Margret Stoll vorstellte und sie jeden jener Bäuerinnen und Bauern aus der Nähe von Berlin per Handschlag einzeln begrüßte.

Es folgten drei Tage, an denen der Eggersdorfer Musik gelauscht wurde, zahlreiche Begegnungen und gemeinsames Feiern und der ebenfalls gemeinsame Umzug durch die Stadt stattfanden, was die Beziehungen zwischen den Gruppen vertiefte, so daß glückliche Brettener und vor allem auch sehr zufriedene Eggersdorfer, natürlich auch mit etwas Wehmut, sich am folgenden Sonntag verabschiedeten.

Jürgen Burkhardt

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